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Ausstellung im Graphikkabinett September–Dezember 2022

Trommelwirbel! Gertrude Degenhardts graphische Arbeiten durch die Jahrzehnte

Laut, chaotisch, wild und ein klein bisschen surreal, in jedem Fall jedoch humorvoll sind die Bildwelten von Gertrude Degenhardt (*1940). Die in New York geborene und in Berlin aufgewachsene Künstlerin ist seit etwa 50 Jahren Wahlmainzerin. Sie war zudem lange Jahre in Irland tätig, einem Land, dessen Volksmusik und uriger Charakter ihre Arbeiten stark geprägt haben.

Im Zentrum ihrer Graphiken steht der Mensch. Mit wilden Mähnen tanzen ungezähmte Weibsbilder über das Papier, spielen furiose Femme Fatales zu immer neuen musikalischen Höhen auf. Motive von Musik und ekstatischer Süffigkeit ziehen sich durch ihr Werk. Aufgespielt wird dabei stets Allegro vivace, niemals Lento, sondern immer con Spirito! Dynamisch, tänzerisch nehmen Degenhardts Figuren den Bildraum gänzlich ein, sprengen ihn gar durch ihre expressiven Bewegungen, ihre Farbigkeit und die fast hörbaren Trommelwirbel ihrer Musikerinnen und Musiker. Dabei sind nicht nur ihre Figuren skurrile Typinnen und verschlagen dreinblickende Gesellen, auch die zugehörigen Instrumente entsprechen oft fantasievollen Eigenkreationen der Künstlerin und sind körperlich eng an die musizierenden Personen gekoppelt.

Als erste große Sonderausstellung nach einer langen Schaffenspause präsentiert die Schau graphische Arbeiten Gertrude Degenhardts aus über fünf Jahrzehnten und bietet so einen Überblick über ihr bisheriges Werk.

Ausstellung vom 13. September bis 4. Dezember 2022 im Graphikkabinett der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Mainz

Online-Beitrag der Landesschau Rheinland-Pfalz

Flyer der Ausstellung

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Interview 2021

Hallo Gertrude. Ich bin froh als ich gehört habe, dass du wieder zeichnest, denn wir haben ja nun seit fast 10 Jahren nichts mehr von dir gehört und uns gefragt, was der Grund ist. Was hat dich dazu gebracht so lange nichts mehr von dir hören zu lassen und dich nun wieder in der Öffentlichkeit zu melden?

Ganz ehrlich: Ich habe ein paar Schicksalsschläge verkraften müssen. Zunächst einmal ist Martin, mein Ehemann und Freund, ganz plötzlich gestorben, mit dem ich 40 Jahre lang alles gemeinsam getan habe und wenig später ging es dann unserer Tochter Annette gesundheitlich sehr schlecht.- Das musste ich alles erst einmal verkraften. Schließlich kam noch die Corona-Zeit mit den lockdowns dazu. Das war alles ein bisschen viel!

Aber irgendwann habe ich mir gesagt: „Es reicht!“, bin aus meiner Höhle gekrochen, habe den Frühling begrüßt und mich entschieden mit dem Trauern aufzuhören. So und hier bin ich wieder!

Das freut viele deiner Fans und mich natürlich auch. Können wir denn damit rechnen, dass du bald wieder Ausstellungen machst?

Das hängt von den Corona-Maßnahmen ab. Im Moment sichte ich all die Bilder, die ich schon vor langer Zeit gemalt habe und die in meinem Keller gelegen haben, sortiere und liste sie um sie dann auf meiner Homepage zu veröffentlichen. Die Menschen und die Galerien müssen ja zuerst einmal wissen, dass ich noch da bin. Sobald dann Anfragen kommen, freue ich mich natürlich über jede Ausstellung!

Hast du in der letzten Zeit denn auch in Irland gelebt und gearbeitet, so wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist?

Nein, in Irland war ich lange Zeit nicht mehr. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass ich mich viel um meine Tochter kümmere und natürlich auch nicht mehr in dem Alter bin, in dem man mal eben hin- und herfliegt – wie gesagt: jetzt kommen die Corona-Maßnahmen dazu und da ist es ja sowieso nicht so einfach zu reisen.

Wie kann man sich den Alltag bei dir vorstellen, wie beginnt heute dein Tag? Arbeitest Du noch immer jeden Tag?

Nein, das habe ich jahrelang getan und nun habe ich mir ein bisschen Ruhe verdient.

Ich habe ja gerade erst begonnen aus meiner Höhle zu krabbeln, ich der ich mich lange verschlossen hatte. Ich habe das Haus aufgeräumt, habe neue Möbel gekauft, die Bilder abgestaubt und den Keller aufgeräumt. Und jetzt allmählich werde ich auch wieder zeichnen. Beim Aufräumen habe ich hinter einer Kommode ein altes Bild gefunden, das ich vor 40 Jahren begonnen hatte – irgendwie ist es hinter die Kommode gerutscht und keiner hat es gewusst. Nun habe ich es wiedergefunden und das ist das erste woran ich mich setzen werde. Ich werde dieses Bild zunächst einmal fertig machen und dann mal sehen was kommt…

Das Interview führte Anne Strohbach.